An unlimited world-trip…

June 6, 2017

 

Bei meinem Trip nach Bali im Januar habe ich Chris kennen gelernt. Inzwischen ein Surferboy wie aus dem Bilderbuch. Braun gebrannt, tätowiert, lange, sonnengebleichte Haare und auf Bali sogar noch ein Board im Gepäck. 

 

Ich durfte Chris auf seiner Weltreise ein Stück weit begleiten. Dass uns seine Reise irgendwann einen gemeinsamen Urlaub beschert und noch dazu auf auf die Malediven bringt, das hätte im Januar wohl niemand von uns beiden nur annähernd zu glauben gewagt. Aber das ist wohl genau das was auf einer Weltreise passieren kann.

 

Zum Thema Weltreise: Hätte ich nicht so einen Traumjob, der mich um die komplette Welt fliegen lässt und mir noch dazu privat so viel Freiheiten lässt, dass ich auch als Vollzeitarbeitende noch genug Zeit habe meiner Leidenschaft nachzugehen, wäre ich doch sehr versucht mein geliebtes Board zu schnappen und los zu ziehen. Los zu ziehen um die Wellen dieser Welt zu surfen auf einem Trip der vorerst niemals endet. Los zu ziehen wie Chris es tat.

 

 

Chris, wann hast du dir erste Gedanken dazu gemacht, dass eine Weltreise etwas für dich sein könnte und wann hast du dich entschieden loszuziehen?

 

“Als ich geboren wurde, haha. Ich bin immer viel gereist, so viel wie halt möglich war. Ich hab’s wohl auch meinen Eltern zu verdanken, dass ich jetzt nach einem Jahr Reisen nun auf einer kleinen Insel im Indischen Ozean hocke und täglich surfe. Als mir meine Mutter erzählte, wie sie die 70er in Kenya verbacht hatte, war für mich klar, so etwas muss ich auch machen. Meine Eltern haben mich ein paar Jahre in Kanada aufwachsen lassen und haben mit mir tolle Reisen unternommen. Es steckte also irgendwie schon immer in mir und habe nur auf den richtigen Moment im Leben gewartet. Die Gedanken auf eine lange Reise zu gehen wurden größer als ich mich tiefer in die Fotografie eingelesen und mich das Surfen und Kitesurfen gepackt hatte. Ich wollte mehr Motive, neue Gesichter, Tiere zum ersten Mal sehen und die Landschaften unserer Welt vor meine Linsen bekommen. Ich hatte Sehnsucht nach neuen Spots, konstanten Wellen, warmen Wasser und vernünftigen Wind zum Kiten. Es gab allerdings in der Tat einen bestimmten Moment im Sommer 2015, als ich etwas angetrunken in meinem Bulli auf einem Festival lag und mir die Frage gestellt hatte, ob das so richtig ist, dass ich mich mit Mitte 20 in einem geregelten Leben jeden Morgen verkleide, ins Büro oder auf Geschäftsreise fahre und im schlimmsten Fall den halben Tag im Stau stehe. Ich war nicht ungücklich, aber ich habe meine Lebensituation in Frage gestellt. Und plötzlich war für mich klar: ich muss jetzt auf eine lange Reise gehen und surfen. 2 Tage später, schrieb ich meine Kündigung und bestellte mir einen neuen Boardbag.”

 

 

Dass man für eine Weltreise eine Menge Geld braucht, das wird uns allen klar sein. Da möchte ich auch nicht weiter nachbohren. Aber wie hast du dich seelisch auf deine Weltreise vorbereitet? Plötzlich nur noch das zu besitzen was man im Backpack mit sich tragen kann stelle ich mir ganz schön aufregend vor. Hattest du Ängste? Ängste, dass das alles vielleicht anders verläuft als du dir das vorgestellt hast?

 

“Ich hatte Angst ja. Angst das zu verlieren, was ich mir vorher aufgebaut hatte, Freunde zu verlieren, meine Großmutter vielleicht das letzte Mal zu umarmen oder auch erspartes Geld zu verpulvern für etwas, was mir vielleicht gar nicht gefällt. Natürlich hatte ich auch Gedanken, ob mein Geld ausreichen würde und ich nach 3 Monaten wieder in Deutschland bin. Die Angst, dass es ganz anders verläuft, als ich es mir vorgestellte hatte, gab es bei mir nicht. Ich wollte sogar, dass alles anders kommt, als “geplant”. Geplant habe ich nämlich ziemlich wenig und mich vorbereitet noch viel weniger.”

 

 

Wir haben uns ja im Januar auf Bali kennen gelernt. Ich meine da warst du gerade mal drei oder vier Monate unterwegs. Was hat sich seit dem verändert? Gab es Momente in denen du überlegt hast deine Reise abzubrechen und zurück zu kehren zum deutschen Trott?

 

“Ich erinner mich gut an unser Kennenlernen in Indonesien. Was hat sich verändert, puh. Seit Januar hat sich mein Kontostand ziemlich verkleinert, haha. Ich bin fitter, die Harre sind endlich wieder länger und ich fühle mich noch besser als vor 9 Monaten. Ich verbringe fast jeden Tag mehrere Stunden im Wasser oder auf dem Wasser. Es gab bisher zwei Momente, wo ich kurz gedacht hatte, das war’s jetzt. Als ich quasi pleite in Australien stand und mir einen Flug zurück nach Asien nur dank meiner Kreditkarte leisten konnte. Ein anderer Moment war erst letzte Woche, als ich aus Sri Lanka ausgewiesen wurde, weil ich mir das falsche Visum zum arbeiten als Kitesurf-Lehrer besorgt hatte und ich gezwungen wurde, nach Berlin zu fliegen ohne zu wissen wie ich meine Reise fortsetzen kann. Doch dann kam es wieder, wie es sein sollte. Ein Job-Angebot als Watersports-Instructor auf den Malediven.”

 

 

Als ich mein erstes Board gekauft habe wusste ich in dem Moment als ich meine erste Welle damit gesurft habe zu 100% dass es absolut richtig war mich für ein eigenes Board zu entscheiden. Gab es bezogen auf deine Weltreise so einen Moment? Einen Moment in dem du dir zu 100% sicher warst, dass du gerade ganz genau das Richtige tust?

 

“Es gab unendlich viele Momente, in denen ich wusste, dass ich das Richtige tue. Die ersten Turns in größeren Wellen, das Erreichen eines Gipfels bei Wanderungen in Neuseeland, das Kiten auf einsamen Inseln, das Tanzen am Strand in Australien oder auch das auf der Bühne sein und mit meiner kleinen Reisegitarre meine Songs für Leute von einfach überall spielen. Es gab einen sehr intensiven Moment auf meiner Reise, in dem ich wusste, dass mir das niemals passiert wäre, wenn ich nicht auf Weltreise gegangen wäre. Auf Lombok in Indosien bin ich im November letzten Jahres, den Rinjanji Vulkan mit einem meiner besten Freunde hoch geklettert. Als wir die erste Nacht am Kraterrand in unseren Zelten verbracht hatten und plötzlich um 2 Uhr Nachts nach vielen vielen Jahren Ruhe, die Eruption begann. Ich konnte kaum glauben, was mir da geschieht. Ich blickte aus meinem Zelt und sah den Kratersee, den Rinjanji-Gipfel, den in dem Kratersee befindenden aktiven Vulkan, Lava, über uns weg ziehenden Rauch, und einen leuchtenden Sternenhimmel. Ich schoß das Foto meines Lebens. Das schmerzhafte Wandern am nächsten Morgen, fiel plötzlich total leicht, da ich genau wusste, ich tue das Richtige.”

 

 

Falls es ein „nach der Weltreise“ gibt, gibt es etwas das du außer den tausenden von Eindrücken auf jeden Fall mitnehmen wirst?

 

“Es wird irgendwann bestimmt ein “nach der Weltreise” geben. Wo und wann, weiß ich allerdings nicht und möchte ich auch momentan nicht wissen. Ich habe gelernt mir Zeit zu nehmen. Zeit für Entscheidungen oder etwas Neues zu lernen. Ich möchte nie aufhören, etwas Neues zu lernen. Mitnehmen werde ich postive und  negative Erfahrungen, Bilder, Songs, einen Bart, Narben und Wissen, was ich durch Gespräche mit Locals, anderen Reisenden oder durch Ereignisse während meiner Länderdurchquerungen gesammelt habe. Erinnerungen an jedes einzelne Land und die Menschen die ich dort getroffen habe, die mir etwas beigebracht haben oder ich ihnen. Ich nehme Erinnerungen von unglaublichen Zeiten mit, welche mich für den Rest meines Lebens prägen werden. Nicht zu vergessen die Inspirationen durch magische Orte und Geschichten anderer, denen ich mit Begeisterung zugehört habe.”

 

Du hast mir erzählt, dass irgendwann der Moment kam indem du dich entschieden hast dein Board zu verkaufen. Als Surfer blutet mir da natürlich mein Surferherz. Wieso hast du dich irgendwann dazu entschieden das Board zu verkaufen? 

 

“Endlich geht’s mal um’s Surfen, haha. Ich habe mein 6,2er Fish in Byron Bay verkauft, da ich mich nach etwas weniger Volumen und mehr Drehfreudigkeit sehnte und ich wusste, dass sich die folgenden Monate mehr ums Kiten drehen würden, da mein erster Job als Kitelehrer anstand. Außerdem traf ich die richtige Person, die als Käufer in Frage kam. Eine Holländerin auf der Durchreise ins südliche Australien. Ich wünschte mir, dass es jmd. weitersurft, der oder die es wirklich will und genauso Fortschritte machen wird, wie ich es tat. Achso und ich brauchte Platz im Boardbag für meine Kites.”

Was du mir bisher erzählt hast, ist deine Weltreise aber keine klassische Weltreise. Du reist dem Sport zu liebe. Wie organisiert man so etwas? Wenn ich daran denke was es manchmal für eine Schlepperei mit nur einem Board ist und meine Reisen haben sich leider bisher nur auf maximal 3 Wochen beschränkt. Aber wie packt man ein Boardbag für ein ganzes Jahr?

“Ich mache jeden Tag Sport auf meiner Reise, aber es gibt durchaus mehr Gründe, warum ich reise. International zu Leben, andere Sprachen sprechen, an einsame und volle Orte zu kommen und Menschen kennen zu lernen. Was ist denn eine klassische Weltreise? Die Frage könnte ich niemals beantworten. Ich bin mit Sicherheit etwas verrückt, mit Klamotten, Kites, Boards, Gitarre, Kamera und drei Objektiven zu reisen. Man muss Einschränkungen machen bzw. mehr organiseren, was manchmal schwer fällt, wenn man ganz spontan in den Flieger hüpft und neue Reiseideen bekommt. Per Anhalter fahren kann ich zum Beispiel vergessen. Man packe einen Boardbag, indem man sich vorher überlegt, was brauche ich eigentlich um den Sport uneingeschränkt zu betreiben und für mich und für andere zu dokumentieren? Die Liste ist lang… Da es sich auf deinem Blog um’s Surfen dreht, kann ich deine Frage eigentlich ganz easy beantworten. Packe dein Brett, Neopren, Boardshort oder Surfbikini, Handtuch, Sonnencreme und Material für Boardrepairs ein. In deinen Rucksack packst du Klamotten für 1-2 Wochen und ein gut ausgestattes 1-Hilfe-Kit ein. Planst du mehr als ein Board mitzunehmen oder gar nur mit Boardbag zu reisen, investiere umbedingt in deinen vernünftigen Bag mit Rollen.”

 

 

Rein aufs Surfen bezogen, wo muss deiner Meinung nach mein nächster Trip hingehen? Wo hattest du bisher am meisten Spaß im Wasser?

 

“Fliege nach Neuseeland, kaufe oder miete dir ein Auto, in dem zu schlafen kannst und fahre auf der Nordinsel den Surfhighway entlang. Am Besten im neuseeländischen Spätsommer. Luft und Wasser sind noch angenehm und wenige Leute im Wasser. Ganz nebenbei bekommt auf der Reise unglaubliche Landschaften  und Sternenhimmel zu sehen. In Neuseeland bin ich morgens Surfen gegangen und Nachmittags Kiten. Wind und Welle am selben Tag, dies gefiel mir schon richtig gut.”

Allerletzte Frage: Hattest du zu Beginn deiner Reise ein Ziel wohin dich dieser Trip auch auf deiner ganz persönlichen Ebene führen soll? Oder hat sich so etwas im Verlauf deiner Weltreise entwickelt?

“Ich wollte fitter, besser und kreativer werden. Ich bin auf dem richtigen Weg, aber noch lange nicht am Ziel angekommen, wenn es das überhaupt gibt. Das Thema Musik hatte ich vor meiner Reise gar nicht so richtig auf dem Schirm. Musik hören und machen war vorher super wichtig für mich, habe aber erst im Juni in Byron Bay an der Ostküste Australiens wieder angefangen Musik zu machen und mir eine Gitarre zugelegt. Seitdem spiele ich fast jeden Abend. Ich habe viele Reisende getroffen, die während der Reise entdecken, auf welche Art sie kreativ seien bzw. auf was sie sich konzentrieren möchten und ihre Reise danach richten oder sich sogar beruflich dorthin entwickeln, wie zum Beispiel Musiker, Künstler, Sportler, Fotografen, Tauchlehrer, Surflehrer, Kitelehrer, Blogger oder Journalisten.”

Inzwischen arbeitet Chris übrigens als Kitelehrer und ist mit seinen drei Kites weiterhin auf einer Reise um die Welt. Klassischer Surfer ist er aber trotz des Kitelehrerscheins geblieben. Aber so ist das wohl. Wer einmal infiziert ist wird es wohl auch immer bleiben. Chris ist neben der Liebe zum Ozean übrigens auch ein super Fotograf. Sehr zu meinem Glück durfte ich so neben unvergesslichen Momenten von einem Wahnsinns Surftrip auf den Malediven, auch noch super Bilder mit nach Hause nehmen. 
Schaut echt mal auf seiner Page vorbei. Und das empfehle ich euch aus reinster Überzeugung und weil ich ein wirklich großer Fan seiner Bilder bin.

Chris’ Weltreise hat mir übrigens meinen unvergesslichen Trip auf den Malediven beschert.

 

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MADE BY DANI   WITH PASSION

Aloha! Ich bin Dani. Ich bin surfende Flugbegleiterin und fliegendes Surfergirl zugleich. Ich fliege mit meinem Surfboard um die Welt und wenn du magst nehme ich dich mit auf meine Reisen. Wenn du mehr über mich erfahren willst, klicke hier.

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