Gerettet aus den Tiefen des Ozeans - Bracenet

September 30, 2017

 

Der Moment als ich in Los Angeles im Wasser saß und auf meine nächste Welle gewartet habe und das erste mal ein Delfin an mir vorbei geschwommen ist. Diesen Moment werde ich wohl für immer in meinem Kopf behalten. Als ich auf den Malediven in kristallklarem Wasser und menschenleerem Lineup unter mir die Schildkröten umher schwimmen gesehen habe, hätte im am liebsten die Zeit angehalten. Als ich mich in New York City in eiskaltes Wasser gestürzt habe um die Chance auf eine gute Welle an dem Tag nicht zu verpassen und ein paar Meter weiter Wale aus dem Wasser aufgetaucht sind. Ein Moment der sich in den tollsten Bildern in meine Erinnerung eingebrannt hat. Aber auch die Robbe, die mir in den Wellen von Kalifornien regelmäßig einen Besuch abstattet, zaubert mir jedes mal ein Lächeln ins Gesicht. Delfine, Schildkröten, Wale, Robben. All das sind Meeresbewohner. Ich bin Surfer. Surfergirl aus Leidenschaft. Wäre es von der Natur aus möglich wären mir wahrscheinlich schon längst Schwimmhäute gewachsen. Ich möchte deshalb keinen einzelnen dieser Momente missen. Und vor allem möchte ich keinen einzelnen dieser Meeresbewohner missen, denen ich diese Momente zu verdanken habe.

Und genau darum kümmert sich Bracenet. Madeleine und Benjamin von Bracenet haben sich gemeinsam mit den bekannten Meeresschutzorganisationen Healthy Seas und Ghostfishing zusammen getan um möglichst viele Geisternetze zu bergen. Geisternetze treiben bis zu 800 Jahre durch die Weltmeere und werden so für Millionen von Tieren zur tödlichen Falle bis sie zu Microplastik werden und somit irgendwann auf unseren Tellern landen.

Was genau Bracenet macht und was eigentlich ein Geisternetz ist, das könnt ihr im Interview mit Madeleine und Benjamin von Bracenet lesen:

 


Madeleine, was genau sind denn Geisternetze?

"Geisternetze sind Fischernetze die sich losgerissen haben oder absichtlich versenkt wurden. Durch Überfischung werden die Bestände immer weniger und somit wird in Regionen gefischt, wo sich die Meeresbewohner hin zurückziehen, sowie Wracks oder Korallenriffe. Dort können sich Netze viel leichter verheddern. 

Was leider häufig vorkommt ist das absichtliche Versenken von Netzen, um bspw. an Bord mehr Platz für den weitaus kostbareren Fisch zu schaffen oder um defekte Netze leicht loszuwerden."
 


Und was ist das gefährliche an den Netzen?

"Das sagt im Grunde schon der Name „Geisternetz". Sie sind unsichtbar für die Meeresbewohner und treiben wie ein Geist durch die Weltmeere und fischen so herrenlos bis zu 800 Jahre weiter. Doch auch nachdem sie sich aufgelöst haben, bleiben sie als Mikroplastick gefährlich für Mensch und Tier.
Aber auch für Taucher und Surfer können die Netze zur tödlichen Falle werden. So haben uns einige Surfer berichtet, dass Sie während eines Ritts an Netzen vorbei gerauscht sind die an der Oberfläche trieben. Nicht auszumalen was passiert, wenn man in ein solches – häufig mehrere 100m2 großes - Netz stürzt.
"

 


Benjamin, stürzt du dich tatsächlich selbst in die Tiefe um ein Geisternetz zu bergen? Oder wie genau läuft so eine Bergung ab? Also woher wisst ihr wo jetzt genau ein Netz umher treibt?

"Man kann sagen, dass mittlerweile an jedem Schiffswrack mehrere Netze hängen gerade in der Nordsee liegt die Trefferquote bei nahezu 100 %. Die Schiffswracks können leicht geortet werden und dadurch wissen wir vor einer Ausfahrt immer wo wir hin fahren müssen, um Netze zu finden. Wir arbeiten mit den Ghost Fishern zusammen die alle 25-30 Jahre mindestens Taucherfahrung haben. An den Wracks angekommen werden die Netze dann per Hand los geschnitten und das nicht selten in gefährlichen Tiefen von 30-40 Metern. Mit sogenannten Hebesäcken werden die Netzstücke dann an die Wasseroberfläche befördert und an Bord des Schiffs gehievt."

 


Kam es auch schon mal vor, dass ihr ein Tier aus einem Netz retten konntet?

"In jedem Netz hängen Tiere angefangen von Krebsen, Fischen bis hin zu großen Säugern wie Robben oder Delfinen. Manche kann man noch retten aber oft ist es leider schon zu spät. Und leider sind die Netze auch dann noch eine Gefahr wenn sie an der Oberfläche schwimmen oder bereits angestrandet wurden, beispielsweise für alle Arten von Seevögeln."

 


In welchen Weltmeeren wart ihr denn bisher unterwegs? Was habt ihr da noch so für die Zukunft geplant? Wo ist die nächste Bergung geplant?

"Da die Teams mittlerweile bereits weltweit agieren, finden die Bergungsfahrten mittlerweile weltweit statt, von der Nordsee über das Mittelmeer und Ende 2016 bspw. auch vor der Küste Rio de Janeiros. Da die meisten Teammitglieder ehrenamtlich arbeiten , finden die Ausfahrten häufig an den Wochenenden statt. Wir können natürlich nicht bei jeder Ausfahrt dabei sein, werden aber immer sofort informiert welche neuen tollen Netze geborgen wurden.
Auf die kommenden Ausfahrten in Kroatien und Griechenland freuen wir uns ebenfalls schon sehr.
Es warten viele spannende Kooperationen von denen wir noch nicht zu viel verraten wollen. Wenn ihr uns auf unseren social media Kanälen folgt, seid ihr immer direkt dabei!
"

 


Was passiert mit den Netzen sobald ihr das Netz geborgen habt?

"Sobald die Netze sicher an Bord gebracht wurden, werden sie von unserem Partner Nofir gereinigt.
Im Anschluss bekommen wir die für uns brauchbaren Netze zurück. Die nach der Reinigung zum Vorschein kommenden Farben sind dann auch für uns immer wieder eine Überraschung.
Die für uns nicht geeigneten Netze werden zu Yarn verarbeitet welches wiederum bei der Herstellung von Produkten wie Teppichen, Klamotten, etc. genutzt werden kann.
"


 


Noch eine Frage an die Madeleine: Wie genau kam es denn zu der Idee aus alten Fischernetzen Armbänder herzustellen?

"Auf die Idee kamen wir vor 2 Jahren während unseres Urlaubs in Afrika / Sansibar. Dort ist uns das Problem der Geisternetze in seinem ganzen Ausmaß begegnet, sowohl Unterwasser als auch an Land. Da war uns klar, dass man unbedingt etwas dagegen tun muss, um auf dieses Problem aufmerksam zu machen als auch aktiv etwas dagegen zu tun. Nach dem Urlaub hatten wir dann den ersten Prototypen am Arm und der Name und der Claim waren fertig. Bracenet. Save the seas. Wear a net.
Da war uns aber noch nicht klar, wie viel Aufwand, Zeit und Geld wir in das Projekt stecken werden. Unsere Idee war dann nachhaltig in unseren Köpfen, genau wie das Produkt. Und so kam es, dass wir gerade einmal vier Monate später bei Healthy Seas in Holland präsentiert haben und ab dem Tag Partner und Freunde wurden.
"

 


Nochmal kurz zusammen gefasst. Was genau zeichnet Bracenet aus?

"Bracenet ist nicht einfach ein Armband, sondern ein Statement am Handgelenk.
Man trägt im Grunde ein Stück Ozean am Arm, welches einem täglich erneut bewusst wird da uns wichtig war, dass Bracenet so upzucyclen, dass es nicht mehr als Netz zu erkennen ist. Die Knoten, die Farben all dass ist so wie es aus dem Wasser kam.
Und das Beste, innerhalb der letzten 6 Monate haben wir ca. 1 Tonne Geisternetze zu Bracenets verarbeitet und mit der 10 % Spende dafür gesorgt, dass wir viele weitere Ausfahrten finanzieren konnten.
"

 


Vielen Dank an Madeleine und Benjamin für eure Zeit und für das Interview.

Wenn du nun auch ein Statement setzen willst, dann schau doch mal auf www.bracenet.net vorbei. Dort könnt ihr die fertigen Armbänder kaufen und gleichzeitig etwas Gutes tun. Denn nur durch so tolles Engagement wie Bracenet es betreibt, bleiben uns Surfern so besondere Momente erhalten. Und wer weiss welchem Geisternetz die Robbe gerade entkommen ist, die dir das nächste mal im Line Up Hallo sagt.

Hang Loose!

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Aloha! Ich bin Dani. Ich bin surfende Flugbegleiterin und fliegendes Surfergirl zugleich. Ich fliege mit meinem Surfboard um die Welt und wenn du magst nehme ich dich mit auf meine Reisen. Wenn du mehr über mich erfahren willst, klicke hier.

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