It's a Surfboard!

December 1, 2018

Da liegt er vor mir. Der zarte Rohling, der mir später einmal eine Welle nach der nächsten bescheren soll. Dazwischen muss der Rohling aber erstmal zu einem Surfbrett verarbeitet werden. 

 

 

Vor knapp einem Jahr habe ich Massimo kennen gelernt. Massimo ist gebürtiger Hamburger und Surfer. Aber nicht nur das, sondern auch Shaper. Massimo baut Surfbretter. Da ich schon immer mal wissen wollte wie so ein Surfbrett gebaut wird habe ich ihn gefragt ob er mir mehr dazu erzählen kann oder ob ich beim shapen gar mal zu sehen darf. 

 

Daraus entstand die Idee, dass er mir einen Kurs gibt. Einen Kurs um mir mein eigenes Brett zu shapen. Ich habe nicht vor jetzt Shaper zu werden. So viel mal vorne weg, aber die Möglichkeit unter Anleitung eines professionellen Shapers mein eigenes Brett bauen zu können, fand ich doch sehr verlockend. So bin ich Ende November für eine Woche nach Hamburg geflogen. Ich kann Dir gar nicht sagen wie aufgeregt ich davor war. Schon ein paar Wochen vorher haben wir uns auf einen Shape fest gelegt, also entschieden welche Form, welche Länge, Dicke usw. das Surfbrett am Ende haben soll. 

Ich habe schon zwei custom shaped Boards zu Hause stehen. Das fand ich schon sehr aufregend. Ein Brett zu haben welches nicht von der Stange kommt, sondern ich selbst entscheiden konnte welchen Shape, welche Maße, etc. es am Ende haben wird. Aber dass ich mir irgendwann mal selbst ein Brett bauen würde, daran hätte ich wirklich nicht geglaubt. Aber jetzt mal zurück zum ersten Tag. 

 

Ich bin also in Hamburg angekommen und habe mich direkt auf den Weg zu Massimos Werkstatt gemacht. Kaum stand auf dem Flur der Werkstatt kam mir schon der Geruch von Fiberglases entgegen, das ganz typisch für einen Shapingroom ist. Ich konnte mir das Lachen schon gar nicht mehr verkneifen. Als Massimo dann den Rohling auf den Shapingbock gelegt hat und mir einen Schleifblock in die Hand gedrückt hat war die Freude grenzenlos. Er hat mir erklärt wie man schleift und dass man zwar ruhig mit Power anpacken soll aber trotzdem die nötige Vorsicht haben muss um den wertvollen Rohling nicht zu zerstören. Was abgeschliffen ist, ist nun mal weg. Man war ich nervös als ich den Schleifblock das erste mal angesetzt habe. Den ersten Tag haben wir dann damit beendet die Nose zurecht zu sägen und danach in Form zu schleifen. 

 

 

Ich war nach dem ersten Tag auf jeden Fall mindestens genau so stoked wie nach einer guten Surfsession. Ich kann mir inzwischen ansatzweise vorstellen wie es werden wird wenn ich die erste Welle mit meinem von mir eigenhändig geshapten Board entlang gleite. Nach dem ersten Tag war der Rohling übrigens bis auf das Tail schon so weit bearbeitet, wie es am Ende dann aussehen sollte. 

Der zweite Tag stand ganz im Sinne des Tails. Heute haben wir die finale Form des Tails fest gelegt. Man war das aufregend. Ich hatte mich für ein Fish Tail entschieden und bin ganz verliebt in das finale Ergebnis. Das Fishtail gehört beim Shapen eher zu den anspruchsvolleren Tails. Deshalb war ich davor doch etwas eingeschüchtert. Aber auch hier hat mich Massimo super angeleitet und ich konnte dadurch mega viel alleine machen.

 

 

Mein Brett liegt immer noch als empfindlicher Rohling auf dem Shapingbock. Ich könnte vor Glück die Welt umarmen. Das Gefühl dass ich dieses Brett geschaffen habe ist einfach unbeschreiblich und wird mich wahrscheinlich auch jedes mal wenn ich das Board in der Hand habe wieder einholen. Ich kann es jetzt schon kaum abwarten damit raus in die Wellen zu paddeln. Eine Welle zu surfen ist wirklich pures Glück für mich. Aber eine Welle zu surfen mit einem Brett das ich mit meinen eigenen Händen erschaffen habe ist wahrscheinlich einfach der Wahnsinn.

 

 

Nachdem das Board seine endgültige Form hatte, durfte ich es unterschreiben. Jeder Shaper unterschreibt sein Board. Wie ein Künstler eben sein fertiges Bild signiert. Und jetzt steht da mein Name auf dem Board. Verrückt. Total verrückt. Aber selbst Massimo hat mir verraten, dass das für ihn jedes mal ein ganz besonderer Moment ist. Man unterschreibt schließlich für sein Werk. 

 

Ich habe mich übrigens für einen Retro Fish entschieden weil ich gerne ein besonderes Board haben wollte. Eins das ich auf der einen Seite nicht schon habe und auf der anderen Seite eins das ich für den Rest meines Lebens behalten werde. Eins das mich auch in 10 Jahren noch entspannt die Wellen entlang gleiten lässt. Und wer mich kennt weiß, dass das definitiv der Fall sein wird. Das Brett ist definitiv schon jetzt mein absolutes Heiligtum und wird auf jeden Fall einen ganz besonderen Stellenwert in meiner Boardsammlung einnehmen. 

Aber jetzt zurück zum Glasen:

 

Das Glasen war auf jeden Fall richtig spannend. Aber auch Nervenzehrend. Denn hier musste man exakt sein. Alle Stellen mussten am Ende im Bestfall blasenfrei und vollkommen mit Glasfasermatte bedeckt sein. Ehrlich gesagt war ich so naiv und dachte das Glasen wäre auf jeden Fall einer der aufwendigsten Schritte beim Bauen eines Surfboards. Weit gefehlt. Nach dem Glasen wurde dann noch ein so genannter Hotcoat aufgetragen.

 

Als das dann alles unter UV Licht ausgehärtet war ging es ans Schleifen. Wenn man eine Skala aufstellen will, was am aufwendigsten ist am Surfboard bauen, dann belegt das Schleifen auf jeden Fall Rang Nr. 1. Damit haben wir fast einen vollen Tag verbracht. 

 

 

Ich kann dir sagen ich habe den Staub Abends unter der Dusche wirklich überall gefunden. Ich dachte, dass das Glasen eins der aufregendsten Schritte sein wird. Es war definitiv nicht uninteressant aber beim Schleifen wird man so richtig dreckig und sieht mit jedem Staubkorn das sich auf einem nieder lässt ein Stückchen mehr vom finalen Ergebnis. Ganz schön Schweisstreibend, aber hier hatte ich definitiv die meisten Gänsehautmomente. Denn obwohl das mit der anstrengendsten Teil ist, war es unbeschreiblich schön dem endgültigen Ergebnis mit jeder Handbewegung näher zu kommen. 

 

 
Dass am Ende auch alles so wird, wie es sein soll, hat Massimo meine Arbeitsschritte natürlich immer wieder kontrolliert und zur dann auch nochmal selbst nach gearbeitet. 

Und dann lag es plötzlich da. Es war fertig. Zwar noch vollkommen eingestaubt aber absolut perfekt. Als Massimo dann den Staub abgenommen hat hätte ich ja am liebsten laut aufgejubelt. Ich hätte heulen können vor Glück. 

 

Da lag es vor mir. Mein neues Surfbrett. Jedes mal wenn ein neues Surfbrett bei mir eingezogen ist habe ich dem Abholtag entgegen gefiebert bis ich es endlich in meinen Händen halten konnte. Aber jetzt habe ich es gebaut. Natürlich unter der Anleitung von Massimo. Aber für mich fühlt es sich trotzdem so an als habe ich es erschaffen. Massimo hat mich immer genau richtig unterstützt und mir auch alles Wichtige dazu erklärt. Ich habe also nicht nur seine Anweisungen ausgeführt sondern auch verstanden warum. 

 

Und so haben wir zusammen in nur 4 Tagen ein neues Surfbrett gebaut was mich hoffentlich ein Leben lang begleiten wird. 

 

Ich bin zwar nach 4 Tagen non stop shapen jetzt etwas kaputt aber auch wirklich glücklich und hätte ich nicht schon ein paar Bretter zu Hause würde ich direkt nächste Woche wieder los um das nächste Board zu shapen. 

 

Aus dem zarten Rohling ist am Ende auf jeden Fall etwas ganz Besonderes geworden. 

 

Ich konnte Massimo übrigens überreden, dass er ab sofort öfter Kurse anbietet. Wenn Du also Interesse daran hast dann schreibe ihm doch am Besten direkt hier oder hier.

 

 

Mein kleiner Fish hängt jetzt in meiner Wohnung an der Wand und kann es kaum abwarten bis er endlich ins Wasser darf. Und ich ehrlich gesagt auch nicht. Vielen Dank an dieser Stelle nochmal an dich Massimo, dass du in der Woche so geduldig mit mir warst. Es hat mir wirklich unendlich viel Spaß gemacht und das Ergebnis ist einfach grandios geworden. 

 

Hang Loose!

 

 

 

 

 

Share on Facebook
Share on Twitter
Please reload

MADE BY DANI   WITH PASSION

Aloha! Ich bin Dani. Ich bin surfende Flugbegleiterin und fliegendes Surfergirl zugleich. Ich fliege mit meinem Surfboard um die Welt und wenn du magst nehme ich dich mit auf meine Reisen. Wenn du mehr über mich erfahren willst, klicke hier.

© 2016 - 2019 by FlyingSurf.