Experience your limits.

May 5, 2018

Als Deutsche neige ich oft dazu auf Nummer Sicher zu gehen. Ein sicherer Arbeitsplatz, ein Auto das TÜV geprüft ist, lieber 10 Minuten früher da sein als zu spät zu kommen. Darum soll es hier aber jetzt gar nicht gehen. Hier soll es ums Surfen gehen! Muss ich denn der beste Surfer sein um mich ins Line Up zu setzen? Muss ich der erfahrenste Surfer sein um mit meinem Board in die Wellen zu paddeln? Muss ich der schnellste Surfer sein um die besten Wellen zu surfen?

 

 

Grenzen kennen und erkennen

 

 

Ich hatte schon oft Erfahrungen im Wasser bei denen ich definitiv an meine Grenzen gegangen bin. Manchmal hat mir das die beste Welle des Tages, wenn nicht sogar des ganzen Trips beschert, manchmal aber auch den miesesten Wipeout. 

 

Ich möchte dir heute von einer ganz bestimmten Session erzählen: 

 

Ich bin in Bali. Hatte gute Tage, aber auch miese Tage. Heute war ein mieser Tag. Heute bin ich nämlich definitiv deutlich zu weit über meine Grenzen gegangen. Ein Surftrip sieht bei mir normalerweise so aus, dass ich mindestens zwei mal im Wasser bin, zwei Surfsession am Tag, dazu oft noch Yoga. So auch die letzten Tage. Dazu kam diesmal allerdings, dass ich dazu extrem viel beruflich unterwegs war, Schlafprobleme hatte, einfach zu viel Zeit in einem Flugzeug verbracht habe, leicht erkältet war und meinem Körper wahrscheinlich einfach zu wenig Ruhe gegönnt habe. 

 

Hätte ich auf meinen Körper gehört hätte ich den Tag wahrscheinlich mit einem guten Buch entspannt am Pool verbracht. Aber weil es heute zu dieser ganz besonderes Session nach Medewi ging, musste ich auch noch die letzte Kraft aus meinem Körper raus kitzeln. Bloß keine Schwäche zeigen. Medewi soll übrigens mit eine der längstens Lefts von ganz Bali sein. Für mich als Goofy Footer also quasi ein Traum. An dem Tag war es in Medewi aber mindestens Double Overhead. Dazu kommt, dass man bei dieser Welle um einen guten Ritt abzustauben, erstmal ein ganzes Stück paddeln muss. 

 

Dort angekommen war ich ehrlich gesagt schon etwas skeptisch ob das was ich hier tue so das Richtige für mich an dem Tag ist. Aber wie gesagt: Bloß keine Schwäche zeigen. Also bin ich mit raus gepaddelt. Da saß ich dann erstmal eine Weile. Dann kam das erste Set, viel zu groß für mich. Noch dazu kannte ich den Spot noch nicht. Also nix wie raus in der Hoffnung ich schaffe es noch rechtzeitig ohne dass mir eine dieser Monsterwellen auf dem Kopf landet. Ich habs drüber geschafft. Gerade so, aber immerhin. Da saß ich also wieder. Ein paar „kleinere“ Wellen sind unter mir durch gerollt. Ich habe immer wieder versucht eine anzupaddeln, aber saß viel zu weit draußen. Also war ich mutig und bin weiter zurück gepaddelt um vielleicht was von der Inside abzugreifen. Nichts. Aber dann ein Set. Kurz habe ich überlegt raus zu paddeln, aber da ich schon eine gefühlte Ewigkeit auf eine Welle gewartet habe war ich mutig. Das schaffst du, habe ich mir zugeredet. Also habe ich die erste Seewelle angepaddelt. Großer Fehler. Grundsätzlich sollte man seinen Joker nie auf die erste Welle setzen. Ich hatte zu wenig Kraft in den Armen und die Welle ist unter mir durch gezogen. Dafür war die zweite Setwelle um so größer und ist mir direkt auf dem Kopf gelandet. Ein mieser, wirklich mieser, vielleicht einer der miesesten Waschgänge meiner Surfkarriere. Nach gefühlt endlosen Sekunden hat sie mich dann wieder ausgespuckt dieses Mistding von Welle. Blöderweise direkt die Nächste Setwelle. Und wieder genau getroffen. Genau auf meinem Kopf gelandet. Diesmal war ich schlauer und bin tiefer getaucht. Trotzdem habe ich da schon gefühlt, dass mein Körper noch einen Waschgang nicht mit macht. Mit wirklich viel Willenskraft und meiner letzten Kraft habe ich mich also auf den Weg in den Channel gemacht. Dabei musste ich mich vor Erschöpfung einmal kurz übergeben und hatte dann wahrscheinlich den schlimmsten Heulkrampf meiner Surfkarriere. Ich war einfach zu erschöpft. Dazu kam die Angst nochmal gewaschen zu werden mit der Gewissheit, dass meine Arme einfach nicht mehr mit machen wollen. Also habe ich mich erstmal so weit es geht in den Channel gesetzt um ja sicher zu sein. Dort habe ich mich dann ausgeheult und versucht zu beruhigen um mich dann mit meiner wahrscheinlich wirklich allerletzten Kraft zurück zum Strand zu bringen. 

Ach da war ja der lange Paddle Out. Ohne Welle, leider auch ein ziemlich langer Paddle zurück zum Strand. Aber ich hatte einfach keine Kraft mehr es mit noch einer Welle zu versuchen, um am Ende vielleicht sogar nochmal gespült zu werden. 

 

 Photo: Das ist Justin, mein Freund, auf einer dieser Monsterwellen. 

 

 

Aber was habe ich nun daraus gelernt?

 

Ich habe für mich erkannt dass es wichtig ist an Grenzen zu gehen. Denn nur wer an seine Grenzen geht wird neue Erfahrungen machen und am Ende davon profitieren. 

Ich habe aber auch gelernt, dass man seine Grenzen nicht zu sehr überschreiten sollte. Gerade beim Surfen ist es wichtig an seine Grenzen zu gehen, sonst wird man nicht besser, aber genauso, wenn nicht um so wichtiger ist es, seine Grenzen genau zu kennen. 

 

Und aus meiner Erfahrung kann ich dir sagen, dass sich deine Grenzen im Laufe der Zeit auch verschieben werden. Ich habe mir gerade vor kurzem Bilder von meinen ersten grünen Wellen hier auf Bali von vor knapp 2,5 Jahren angeschaut und kann dir sagen, die Wellen kamen mir damals riesig vor. Ich habe immer noch am meisten Spaß mit 4-6 ft, aber wenn ich mir die Bilder jetzt anschaue, muss ich doch ein bisschen schmunzeln. Die Wellen, die mir damals riesig vor kamen, hatten nämlich maximal 2-3 ft. Aber das ist vollkommen okay. Wie gesagt, Grenzen verschieben sich und du entwickelst dich weiter und das ist gut so. 

 

Am nächsten Tag habe ich mir übrigens eine Pause gegönnt. Das tat meinem Körper, aber auch meiner Seele gut. Um so mehr Spaß hatte ich am darauf folgenden Tag dann wieder. 

 

 

Hang Loose! 

 

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Aloha! Ich bin Dani. Ich bin surfende Flugbegleiterin und fliegendes Surfergirl zugleich. Ich fliege mit meinem Surfboard um die Welt und wenn du magst nehme ich dich mit auf meine Reisen. Wenn du mehr über mich erfahren willst, klicke hier.

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