Girls Gone Surfing - Janine Reith

March 10, 2018

Hast du jemals einen Surfkurs gemacht? Wie viele Mädels waren denn in dem Surfkurs? Und was glaubst du denn wie viele davon heute noch surfen? 

 

 

Ich habe selbst die Erfahrung gemacht. Ich würde schätzen von allen Frauen, die jemals auf einem Softboard gestanden haben bleiben maximal 5 % am Ball. Nur 5 % aller Mädels stellen sich den anfänglichen Niederschlägen, die oft auf die nicht oder zumindest zu wenig vorhandene Armmuskulatur zurück zu führen sind. Aber die, die dran bleiben, die kämpfen dafür. Achso und ich möchte damit übrigens nicht sagen, dass Frauen die schlechteren Surfer sind. Im Gegenteil! Aber eine Frau muss meiner Meinung nach für den Surferfolg wesentlich mehr tun als ein Mann. Klar, nicht alle Männer sind mit der perfekten Surfstatue zur Welt gekommen und nicht alle Männer haben die nötige Armpower. Dennoch sind Männer von Natur aus oft einfach stärker gebaut und vielleicht auch freier im Kopf was den Mut angeht. Das kann gerade am Anfang ganz schön von Vorteil sein im Umgang mit dem neuen Element Wasser. 

 

Und was glaubst du wie viele Mädels von denen, die dran geblieben sind, sind bisher in den Genuss gekommen die Energie und gewaltige Power des Meeres in Form einer Barrell zu spüren? Ich nicht! Und das gebe ich ehrlich und ohne mich zu schämen zu. Will ich dahin kommen? Ja!!! Ganz klar ja!!! Und dafür trainiere ich fast täglich meine Armmuskulatur, mein Gleichgewicht, meine Rückenmuskulatur, meine Beinmuskulatur, meinen Take Off und was sonst noch dazu gehört. Dazu gehöre ich zu den Glücklichen, die von 30 Tagen im Monat mindestens 15 Tage in die Wellen kommt. Ich möchte aber dennoch nochmal betonen, dass Surfen für mich nicht nur ein Sport, sondern ein Lebensinhalt ist. Ich habe Spaß daran und der Spaß bringt den Ehrgeiz mit sich. Wenn ich mal nicht so einen guten Tag hatte, dann kann ich damit auch leben und mir das vor allem eingestehen. Ich denke, da liegt auch ein großer Unterschied zwischen Mann und Frau. Eine Frau weiß was sie kann. Ein Mann weiß was er gerne könnte. Sorry Männer, aber so sind meine Erfahrungen. 

 

 

Ich habe auf meinen Reisen eine junge Frau getroffen, die das Gefühl kennt. Das Gefühl der wahnsinnigen Power des Ozeans. Das Gefühl der gewaltige Kraft wenn die Welle dich umhüllt und dir erlaubt durch ihren Tunnel zu fahren. Janine Reith, Journalistin, Weltenbummlerin, aber vor allem Surfergirl und Oceanlover. 

Janine, erstmal die Frage aller Fragen: Wie lange surfst du denn schon? Oder viel mehr: Wie viele Tage pro Monat kommst du im Schnitt ins Wasser?

 

Zum Ersten Mal auf dem Board stand ich mit ca. 20 Jahren. Ich fand´s von Anfang an toll, hatte aber nicht die finanziellen Mittel öfter ans Meer zu fahren. Zudem war ich grade mitten im Abitur und wusste, dass danach erstmal das Studium anstehen würde. Also blieb es bis ich ca. 23 war dabei und ich kam insgesamt nur noch 2 mal dazu es mal wieder auszuprobieren. Mit 25 fasste ich dann den Entschluss es richtig lernen zu wollen und startete eine Weltreise. Seitdem (jetzt bin ich 29) reise ich durch die Welt und habe mein Hobby zum Beruf gemacht in dem ich über meine Reisen und das Surfen berichte. Dabei komme ich im Schnitt, je nachdem wie viel ich arbeite, monatlich auf ca. 15 Surftage.“ 

 

 

Meiner Meinung nach hat die Dauer, also vor welcher Zeit man das erste mal auf einem Brett stand, rein gar nichts mit dem Können zu tun. Zumindest wenn man zu den deutschen Durchschnittssurfern gehört, immerhin schon seit 10 Jahren surft, aber eben nur einmal im Jahr ins Wasser kommt. Oder wie siehst du das?

 

"Ganz genau so. Um es wirklich zu lernen, muss man ans Meer ziehen bzw. regelmäßig ins Wasser und auf´s Brett."

 

 

Und hast du schon mal einen Surfkurs gemacht? Und was glaubst du wie viele Mädels danach dran geblieben sind?

 

"Ja, letztes Jahr. Das war zwar kein direkter Kurs, aber ein Coaching welches über 4 Wochen ging. Ich war dort die meiste zeit das einzige Mädchen in meiner Gruppe. Ab und an hatten wir mal für eine Woche oder ein paar Tage ein oder zwei weitere Girls zum trainieren da. Aber allgemein war das coaching schon eher Männer-lastig, was ich an sich nicht schlimm fand. Manchmal war es anstrengend bei größeren oder schwierigeren Bedingungen, mit den Jungs mithalten zu müssen. Aber man sieht das in dem Moment einfach als extra Challenge und dann geht das auch irgendwie. Als ich anfing zu surfen, haben mich ein paar einheimische Freunde aus Costa Rica immer mitgenommen zum Surfen. Eine weitere Freundin aus der Schweiz und eine andere aus Deutschland waren damals mit dabei. Beide Surfen heute  kaum noch.

 

In Kalifornien erlebe ich es oft, dass ich die einzige Frau im Line Up bin. Das liegt vielleicht daran, dass ich meist mit meinem Shortboard unterwegs bin und mich deshalb nicht im Line Up von Longboardspots unterwegs bin. Und wenn ich mal eine Frau im Line Up treffe, dann staune ich meist wie sie die Wellen entlang reitet. Wie sind deine Erfahrungen was das angeht? Damit möchte ich übrigens auf gar keinen Fall die Longboarder kritisieren. Auch ich habe auf einem Longboard viel Spaß, mag mein Shortboard aber eben durch die Wendigkeit einfach lieber.

 

 

Viele Männer sind der Meinung als Frau hat man Vorteile im Line Up. Was sagst du dazu? Bekommt man wirklich die ein oder andere Welle überlassen nur weil man weiblich ist? Wenn dem wirklich so ist: Will man diesen Vorteil als Frau überhaupt? 

 

"Ich finde das ist durchaus oft so. Es ist aber mindestens genauso oft auch das genaue Gegenteil, also dass man als Frau benachteiligt wird im Line up. Besonders, finde ich, ist das der Fall wenn man anfängt, bzw. sich so im Intermediate Bereich bewegt. Oftmals wird dann ausgenutzt, dass man etwas zögerlicher unterwegs ist, bzw. vielleicht mal länger für einen take off braucht oder einfach Fehler macht. Das nutzen aber nicht nur Männer aus, genauso Mädels, Groms oder einfach allgemein bessere Surfer. Ich denke hier sollte man an generellen Respekt im Line up appellieren und nicht ausschließlich an die Boys. Dann muss ich auch sagen, habe ich zunehmend die Erfahrung gemacht, dass man als Frau in größeren Wellen -insofern man diese auch Surft und nicht nur rumsitzt- des Öfteren sogar eine Welle mehr bekommt als so mancher Mann und das eben dank der Männer. Besonders auf meinem letzten Surftrip in Hawaii war ich überrascht, wie respektvoll es in den Line ups zugeht und wie sehr hier die Girls gepusht und motiviert werden. Von Unterdrückung war hier nichts zu spüren. In Portugal und Marokko muss ich aber sagen, bin ich hingegen des Öfteren auf Respektlosigkeit und das auch gerade gegenüber Frauen getroffen. Mag an der Kultur liegen, könnte auch Pech gewesen sein, ist mir allerdings in diesen Ländern jetzt schon öfters passiert. Wichtig ist dennoch finde ich, sich dadurch nicht aus der Ruhe bringen zu lassen. Gelassen bleiben und einfach Surfen. Ein Tipp: Immer auf das positioning achten."

 

 

Trainierst du speziell für den Surfsport? Oder reicht dir das Surfen als Work Out? 

 

"Ich trainiere normal, gehe ab und an Laufen am Strand oder mache home-workouts (Squats, sit ups, burpees, Liegestützen, Take offs…) Manchmal, wenn ich länger als 3-4 Wochen nicht ins Wasser komme mache ich auch kleine trocken-übungen zu Turns. Also gehe einfach langsam die Bewegung eines Turns durch, über meine Take off auf dem Boden. Ich denke zu verkrampftes Training auf ein gewisses Ziel ist kontraproduktiv. Für mich ist es das wichtigste, dass ich mental die richtige Einstellung habe. Ich bereite mich lieber seelisch und mental auf einen größeren Surftag vor als körperlich. Besonders in Sachen Barrels ist alles Kopfsache. Man handelt ja quasi gegen den eigenen Schutzreflex des Körpers indem man in den Tube zieht. Das hat für mich nicht viel mit körperlichen Fähigkeiten zu tun. In erster Linie muss dein Kopf das mitmachen. Das andere kommt ganz von allein. An der Technik kann man dann feilen, erst einmal muss man es einmal hinein schaffen und das auch wahrnehmen können. Ich denke, wenn man es sich frame per frame im Kopf vorstellen kann selbst in einem Barrel zu stehen, dann kriegt man es auch im real Life hin. Man sagt ja immer, wenn man etwas träumen kann ist die Vorstellungskraft ausreichend und man kann es auch in Taten umsetzen. Das ist ziemlich zutreffend finde ich und beschreibt diese Kopfsache ganz gut."

 

 

Was würdest du sagen? Kann man das überhaupt so allgemein sagen: Wer ist entspannter im Line Up? Frau oder Mann?

 

Das denke ich kann man nicht allgemein sagen. Ich finde, Frauen wirken schnell ängstlich im Line up und das wiederum wirkt sich auf das Verhalten der Männer aus, die dann entweder versuchen uns zu ermutigen, oder die Situation ausnutzen. Meine Erfahrung ist, dass es viel an einem selbst liegt, wie man die Stimmung im Line up erfährt. Paddelt man einfach ohne Vorurteile raus und zeigt sich positiv und freundlich, fährt bzw. surft man am Besten.  Unterwirft man sich absichtlich von Anfang an, oder ist ängstlich, dann hat das sicher einen persönlichen Grund und man sollte vielleicht lieber an einem kleineren Tag, bzw. nochmal raus wenn mehr Surfer im Line up sind, mit denen man selbst auf gleichem Level surft. Oder aber man ändert Einstellung und handelt selbstbewusster. MERKE: Selbsteinschätzung!“ 

 

 

Surfen ist für mich persönlich wie schon erwähnt kein Wettkampfsport. Mir geht es dabei um die Freiheit und den Spaß. Nichts desto trotz schaue ich mir natürlich trotzdem auch gerne den ein oder anderen Contest der WSL an. Aber auch da sehe ich viel lieber die Frauen. Am liebsten aber Frauen wie Stephanie Gilmore oder Sage Erickson. Einfach aus dem Grund, weil ich finde die zwei verkörpern nicht das klassische Bild des sexy Surfergirls, ja keine Frage, die Körper sind dennoch der Hammer, aber man sieht ihnen nun mal auch an, dass sie für ihren Erfolg hart trainieren müssen. Wohingegen es bei einem John John Florence ja schon fast zu leicht aussieht. Du bist ja als Journalistin spezialisiert auf die WSL. Wie siehst du das? 

 

"Ich lege meine Hand dafür ins Feuer, dass jeder Surfer, der aktuell auf den oberen Rängen der Tour surft, extrem hart trainieren muss. Dabei ist es ganz egal ob Athlet oder Athletin. Der Anspruch der WSL ist sehr hoch und die Konkurrenz schläft zu keiner Zeit. 

 

Ein schwerwiegender Unterschied hingegen liegt in den finanziellen Mitteln einzelner Surfer. Einige haben eigene Trainer, Fitness-coaches und Ernährungsberater die sie von ihren Sponsoren gestellt oder bezahlt bekommen. Andere haben weniger liquide Sponsoren oder gar keine Sponsoren und sind in Sachen Training mehr auf sich selbst gestellt. 

 

Ich war erstaunt und schockiert darüber, wie viel Zeit und Geld Eltern beispielsweise auf Hawaii in ihre Kinder und deren Surf-Karriere stecken. Dort haben einige 5-jährige bereits full-Sponsoreship-Verträge, so scheint es. Man merkt, dass es Surfer aus wohlhabenderen Familien durch ihre finanziellen Mittel leichter haben weiter bzw. schneller nach vorn zu kommen. Dennoch, Gabriel Medina kommt aus eher ärmlichen brasilianischen Verhältnissen und hat sich an die Welt-spitze gesurft. Verallgemeinern kann man natürlich nichts, ich weis aber durchaus dass die Sorge um die Finanzen und das Bezahlen von Flugtickets, Wettbewerbsgebühren etc. eine große Rolle bei einigen Surfern spielt. Das ist natürlich eine zusätzliche Belastung, die auch an der Leistung zerren kann. Ich bin froh, dass die Brasilianerin Silvana Lima wieder mit dabei ist. Ich bin sicher, sie wird alles geben und es den anderen mit ihrem Ehrgeiz und Können nicht leicht machen. Sie ist eine Bereicherung für die Girls-Tour. 

 

Ich würde schon sagen, dass einige ihre Sponsorships sozusagen „in die Wiege gelegt“ bekommen, während andere ziemlich dafür kämpfen müssen. Natürlich haben es Profi Surfer, deren Eltern schon Profi Surfer waren einfacher…Einfach auch der Erfahrung wegen. Aber das ist wohl in jeder Sportart der Fall. 

 

Allgemein finde ich, dass es im Wettkampf-surfen überhaupt keine Rolle spielt, wer mehr sexy und wer weniger sexy ist. Bei der WSL geht es nur um Leistung, da werden keine Unterschiede gemacht. Wie sich jeder Surfer privat vermarktet oder nicht, das bleibt jedem selbst überlassen und fließt in keine Bewertung mit ein."

Wenn du mehr von Janine lesen willst, dann schaue doch gerne mal auf WMNSurfMag oder Janines Instagram Account vorbei. 

 

So und jetzt an alle Mädels: Ab ins Wasser und habt noch viel mehr Spaß als ihr eh schon habt! Denn ihr verdient euch den Spaß sogar wortwörtlich.

 

Hang Loose!

 

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Aloha! Ich bin Dani. Ich bin surfende Flugbegleiterin und fliegendes Surfergirl zugleich. Ich fliege mit meinem Surfboard um die Welt und wenn du magst nehme ich dich mit auf meine Reisen. Wenn du mehr über mich erfahren willst, klicke hier.

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