Surfing in Mannheim?!

November 11, 2017

Ich sitze in irgendeinem Line Up irgendwo auf der Welt. Neben mir sitzen noch ein paar andere Surfer, die genau wie ich auf die Welle warten. Wir kommen ins Gespräch und mein Akzent enttarnt mich schnell als Nicht Local. Also fragt man mich woher ich komme. Auf die Antwort „aus Deutschland“ ist die nächste Frage meistens eine der Folgenden: „Surfst du dann in München?“, „Oh da kann man doch River Surfen, oder?“, „Bist du schon mal auf dem Eisbach in München gesurft?“

 

Der Eisbach mit seiner Welle ist inzwischen unter den Surfern ziemlich verbreitet in der Welt. Jeder Surfer, der mal zufällig in München vorbei kommt will sie sehen, die Eisbachwelle. Als Landlocked Surfer hangelt man sich immerhin an jedem kleinen Faden den man greifen kann um endlich mal wieder das Gefühl von einem Brett unter den Füßen, um endlich mal wieder das Gefühl zu spüren, das man empfindet wenn man eine Welle entlang reitet.

 

Pictures by Andreas Defren 

 

Aber ist der Eisbach in München tatsächlich der einzige Fluss, der eine surfbare Welle produziert? Bekommt München etwa bald Konkurrenz? Konkurrenz aus Mannheim?

 

Eine Gruppe von Surfern hat sich in Mannheim zusammen getan um ganz bald auf dem Neckar dem Eisbach Konkurrenz machen. In Mannheim soll es also auch bald Riversurf geben. Vorne weg muss ich erwähnen, dass ich in Mannheim studiert habe und mein Herz daher jetzt schon mehr für die Neckarwelle als für die Eisbachwelle schlägt. Sorry München, aber hier spielt das Heimatgefühl nun mal mit. 

 

 

Wie entstand die Idee zur Neckarwelle?

 

"Ich surfe schon seit einigen Jahren und war zur Urlaubs-Vorbereitung häufiger im Neckar paddeln. Während eines Besuchs bei einem Freund in München hatte ich mich auch mal auf den Eisbach gewagt und war begeistert! Seitdem denke ich darüber nach, wie sich sowas auch in Mannheim realisieren lässt."

 

Pictures by Andreas Defren 

 

Wie groß plant ihr die Welle? Der Neckar ist ja doch um einiges breiter als der Eisbach!

 

"Unser Ziel ist eine 10 m breite Welle mit mindestens 1 m Höhe. Direkt im Neckar werden wir die Welle jedoch leider nicht bauen können. Da der Neckar zu breit ist, lässt sich das hier einfach nicht realisieren. Wir haben hierfür aber schon eine andere Möglichkeit gefunden."

 

 

Soll die Neckarwelle nur ein Abklatsch von der Eisbachwelle werden oder am Ende sogar besser?

 

"Die Welle soll über den Durchfluss und die Unterwasserkonstruktion „einstellbar“ werden. D.h. man kann die Welle für Anfänger und Fortgeschrittene in unterschiedlichen Modi betreiben.

Die Mannheimer Welle soll also kein Abklatsch von München werden, sondern eine Welle, die am Ende für Surfer jeden Levels nutzbar sein wird. Genau genommen spricht unsere Welle damit also sogar mehr Surfer an. "

 

 

Der Eisbach ist bekannt für seine eisigen Temperaturen und wirkt daher gerade für Warmwassersurfer doch erstmal abschreckend. Das dürfte ein großer Vorteil des Neckars sein. Wie kalt wird der Neckar im Schnitt?

 

" Im Winter ist auch der Neckar kalt – im Schnitt 6 Grad. Zwischen März und November liegt die Temperatur jedoch über 10 Grad. Mit Neopren Anzug ist das also durchaus machbar. In München liegt die Temperatur im Schnitt ca. 5 Grad darunter."

 

Pictures by Andreas Defren 

 

Gibt es im Neckar schon eine Stelle, die euch zuvor aufgefallen ist und daher wie gemacht für den Bau einer Riversurf Welle ist oder wieso habt ihr euch für den Neckar entschieden? Durch Mannheim fliest ja zusätzlich auch noch der Rhein.

 

"Der Rhein ist durchgehend schiffbar, daher ist es dort schwierig das nötige Gefälle für eine stehende Welle zu erzeugen.

Über Gespräche mit der Stadt und dem Wasserschifffahrtsamt haben wir schnell gemerkt, dass sich eine Welle im Neckar selbst nicht realisieren lässt. Man müsste den Neckar aufstauen – aufgrund des Naturschutzes ist das jedoch nicht realistisch. Im daneben verlaufenden Kanal fahren Schiffe, daher fällt auch der Kanal als Option raus.

Unser Konzept ist daher, das bestehende Gefälle zwischen Neckar-Kanal und unterem Neckar zu nutzen. Das funktioniert im Prinzip an allen Stellen zwischen Ladenburg und der Schleuse Feudenheim. Aufgrund des Naturschutzes kommen hier jedoch nur eine Handvoll mögliche Bauplätze in Betracht."

 

 

Ab wann seht ihr den ersten Surfer im Neckar? Habt ihr euch ein Ziel gesetzt bis wann das Projekt realisiert werden soll?

 

"Aus Erfahrungen von anderen Projekten haben wir versucht, uns einen realistischen Zeitrahmen zu setzen. Die Vision ist: Spätestens im Jahr 2022 eröffnet Kelly Slater unsere Welle."

 

 

Wie einfach war es die Stadt von dem Bau einer Welle zu überzeugen? Seid ihr mit eurer Idee direkt zur Stadt gegangen oder habt ihr erstmal genau geprüft ob so ein Projekt in Mannheim überhaupt realisierbar ist?

 

"Noch ist „Die Stadt“ nicht überzeugt, aber wir haben ja auch erst vor vier Monaten angefangen. Das Hauptziel unserer Aktionen bisher war es, herauszufinden ob es in der Region ausreichend interessierte Surfer gibt. Sowohl wir, also auch die Stadt haben kein Interesse daran, Zeit und Geld für ein Projekt zu investieren, das am Ende nicht genutzt wird. Hierbei hilft uns auch Facebook. Über die Reichweite unserer Seite können wir das Interesse relativ gut messen. Jeder Like bringt uns der Welle ein Stück näher!

Zudem gibt es natürlich ganz viele rechtliche und technische Fragen. Mit dem Naturschutz haben wir uns schon auseinandergesetzt und wissen mittlerweile, wo es überall nicht möglich ist. Obwohl es erst mal anspruchsvoll klingt, ist der Bau einer Welle technisch gesehen dann eigentlich relativ unspektakulär. Zitat eines Ingenieurs: „Mit genügend Geld und Beton kann man überall eine stehende Welle bauen!“ "

 

Pictures by Andreas Defren 

 

Und wieso gerade Mannheim? Zu meiner Unizeit gab es in Mannheim leider noch nicht mal einen Surfshop. Soll sich das etwa auch bald ändern?

 

"Warum nicht in Mannheim? Es gibt viele Studenten, der Jungbusch entwickelt sich immer mehr zum Szene-Viertel und wenn demnächst Surfer mit Neopren-Anzug und Brett am Neckar entlang radeln wird die Stadt noch interessanter. Mit Ludwigshafen, Speyer, Weinheim, Heidelberg und Frankfurt gibt es außerdem ein sehr großes Einzugsgebiet für potenzielle Flusssurfer."

 

 

Ich freue mich auf jeden Fall riesig und mit mir mit Sicherheit noch einige Surfer aus dem Rhein-Main bzw. Rhein-Neckar Gebiet, dass ihr den Mut gefasst habt so ein Projekt in die Hand zu nehmen und damit einigen Surfern das Gefühl zu geben vielleicht schon ganz bald nicht mehr ganz so landlocked sein zu müssen.

 

Hang Loose!

Share on Facebook
Share on Twitter
Please reload

MADE BY DANI   WITH PASSION

Aloha! Ich bin Dani. Ich bin surfende Flugbegleiterin und fliegendes Surfergirl zugleich. Ich fliege mit meinem Surfboard um die Welt und wenn du magst nehme ich dich mit auf meine Reisen. Wenn du mehr über mich erfahren willst, klicke hier.

© 2016 - 2019 by FlyingSurf.